PV-Anlage für deine Eltern: so berätst du sie richtig
Eltern wollen eine Solaranlage? So prüfst du Verbrauch, Dach, Größe und Angebote Schritt für Schritt – mit Red-Flag-Checkliste 2026.
Von Redaktion StudiVolt · Redaktion · veröffentlicht am 22. April 2026
Warum du als Kind oft der beste Berater bist
Deine Eltern haben den Brief vom Energieversorger auf dem Küchentisch liegen, der Nachbar hat schon Module auf dem Dach und im Freundeskreis erzählt jede:r etwas anderes. Genau jetzt kommst du ins Spiel. Du musst kein Solarteur sein, um deinen Eltern eine gute Entscheidung zu ermöglichen – du musst nur die richtigen Fragen stellen und die Angebote sauber vergleichen. Dieser Leitfaden führt dich in sechs Schritten durch den Prozess, den wir bei StudiVolt bei jeder Erstberatung durchgehen.
Wichtig vorab: Eine PV-Anlage ist 2026 in den allermeisten Fällen wirtschaftlich, aber nicht jede Anlage passt zu jedem Haushalt. Sag das deinen Eltern ruhig offen. Der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Auslegung liegt schnell bei 2.000–5.000 Euro über die Laufzeit.
Schritt 1: Aktuellen Stromverbrauch checken
Alles beginnt mit der letzten Jahresstromrechnung. Darauf steht der Verbrauch in Kilowattstunden (kWh) pro Jahr. Merk dir diese Zahl – sie ist die Basis für alles Weitere.
- 2-Personen-Haushalt: typisch 2.500–3.500 kWh
- 4-Personen-Haushalt: typisch 4.000–5.000 kWh
- Haus mit Wärmepumpe: plus 3.000–6.000 kWh
- Haus mit E-Auto: plus 2.000–3.500 kWh pro Fahrzeug
Frag deine Eltern auch nach Plänen für die nächsten fünf Jahre. Wärmepumpe geplant? E-Auto angedacht? Kind zieht aus? Das verändert die sinnvolle Anlagengröße deutlich. Bei einem Strompreis von rund 36 ct/kWh ist jede selbst verbrauchte Kilowattstunde bares Geld wert – mehr dazu unter Eigenverbrauch.
Schritt 2: Ist das Dach überhaupt geeignet?
Bevor ihr über Module redet, klärt die Basics. Vier Faktoren entscheiden über den Ertrag:
- Ausrichtung: Süd ±45° ist ideal. Ost-West-Dächer erreichen immerhin 85–90 % des Ertrags und verteilen die Stromerzeugung sogar besser über den Tag. Nord-Dächer unter 70 % – das lohnt sich in fast keinem Fall.
- Neigung: 30–35° ist optimal. Flachere oder steilere Dächer kosten ein paar Prozent Ertrag, sind aber kein Ausschlusskriterium.
- Verschattung: Geh einmal ums Haus. Bäume, Nachbargebäude, Kamine, Satellitenschüsseln, Gauben – alles, was im Tagesverlauf Schatten wirft, reduziert den Ertrag überproportional.
- Alter und Zustand: Ist das Dach älter als 25 Jahre oder sind Ziegel sichtbar beschädigt, solltet ihr zuerst sanieren.
In Deutschland rechnet man mit 900–1.100 kWh pro kWp pro Jahr, je nach Region.
Schritt 3: Anlagengröße richtig dimensionieren
Die alte Faustregel "so viel Anlage wie Verbrauch" ist überholt. 2026 gilt: bau lieber etwas größer. Gründe:
- Die 0-%-MwSt-Grenze liegt bei 30 kWp – du zahlst für ein 12-kWp-System also nicht mehr Steuern als für 8 kWp.
- Module sind so günstig wie nie (unter 0,15 €/Wp im Einkauf).
- Eigenverbrauch steigt meist später (Wärmepumpe, E-Auto, Klimaanlage).
- Einspeisung lohnt sich immer noch, wenn auch mit 7,94 ct/kWh für Teileinspeisung bis 10 kWp moderat.
Konkrete Empfehlung für ein typisches Einfamilienhaus: 10 kWp als Standard. Wenn Wärmepumpe oder E-Auto geplant oder vorhanden sind, eher 12–15 kWp. Dazu ein Stromspeicher mit 5–10 kWh.
Schritt 4: Angebote einholen – mindestens drei
Das ist der Schritt, bei dem die meisten Haushalte Geld verschenken. Regel Nummer eins: lass dir immer mindestens drei Angebote geben. Regel Nummer zwei: vergleiche den Gesamtpreis brutto, nicht den Preis pro Kilowattpeak.
Realistische Preise 2026 für ein Komplettpaket inklusive Montage, Wechselrichter und Anmeldung:
- 8 kWp ohne Speicher: 10.000–13.000 €
- 10 kWp mit 8 kWh Speicher: 18.000–22.000 €
- 15 kWp mit 10 kWh Speicher: 24.000–30.000 €
Achte darauf, dass im Angebot steht: Modul-Modell und -Leistung, Wechselrichter-Modell, Speicher-Modell und nutzbare Kapazität, Montagesystem, Kabel- und Anschlussarbeiten, Anmeldung beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister, Inbetriebnahme, Gewährleistung und Produktgarantien.
Schritt 5: Förderung und Steuern
- 0 % Mehrwertsteuer auf PV-Anlagen bis 30 kWp auf Wohngebäuden – greift automatisch.
- KfW 270: zinsgünstiger Kredit für PV und Speicher, ab etwa 4,5 % p.a.
- Einkommensteuer: Anlagen bis 30 kWp auf Einfamilienhäusern sind komplett einkommensteuerfrei.
- Länder- und Kommunalprogramme: regional sehr unterschiedlich.
Die Einspeisevergütung für überschüssigen Strom liegt 2026 bei 7,94 ct/kWh (Teileinspeisung bis 10 kWp) bzw. 6,88 ct/kWh (10–40 kWp).
Schritt 6: Absicherung
- Produktgarantie Module: mindestens 15 Jahre, Tier-1-Hersteller oft 25–30.
- Leistungsgarantie: 80–85 % nach 25 Jahren sind Standard.
- Wechselrichter-Garantie: 10 Jahre Minimum, 12–15 besser.
- Versicherung: PV-Anlage in die Wohngebäudeversicherung aufnehmen.
Red-Flag-Checkliste
Wenn eines der folgenden Punkte auftaucht, Hände weg:
- Haustürverkauf mit "Angebot gilt nur heute"
- Preise nur in ct/kWh oder €/Monat, kein Gesamtpreis brutto
- Keine konkreten Modul- und Wechselrichter-Modelle im Angebot
- Vorauszahlung über 30 % vor Lieferung
- Kein schriftlicher Fertigstellungstermin
- Pauschale Ertragszusagen ohne Standort-Simulation
- Kein Eintrag in der Handwerksrolle oder im Installateur-Verzeichnis des Netzbetreibers
Wie ihr am besten weitermacht
Setz dich mit deinen Eltern eine Stunde hin, geht die sechs Schritte zusammen durch und sammelt die drei Angebote. Wenn ihr bei der Einordnung Hilfe braucht: genau dafür gibt es uns. Unsere Werkstudent:innen rechnen dir Angebote neutral durch, ohne Provisionsinteresse.